Ein Wintermantel für 19 €, eine Designer-Sonnenbrille für ein Zehntel des Listenpreises, ein gefragtes Elektrogerät kurzfristig „im Sonderangebot": Unseriöse Online-Shops, auch Fake-Shops genannt, locken mit Angeboten, die es in dieser Form nicht gibt. Die Bezahlung erfolgt meist per Vorkasse oder per Kreditkarte (wodurch die Daten in betrügerischer Weise abgegriffen werden). Die bestellte Ware kommt danach nie an oder unterscheidet sich deutlich von der Beschreibung. Wie im Artikel Online-Betrug: Die häufigsten Betrugsmaschen und wie Sie sich schützen bereits angekündigt, folgen auch Fake-Shops einem wiederkehrenden Muster. Auch das kenne ich aus meinem Hauptjob im Bankwesen: Rückbuchungsanfragen nach einem Fake-Shop-Kauf gehören dort zum Alltag, meist kommt jede Hilfe zu diesem Zeitpunkt bereits zu spät (vor allem, wenn die Zahlung per zweitem Faktor, also 3D-Secure, bestätigt wurde).
In diesem Artikel zeigen wir Ihnen die wichtigsten Warnsignale und einen praktischen Schnell-Check für den Ernstfall.
Der Preis, der zu gut klingt
Ein Angebot, das deutlich unter dem üblichen Marktpreis liegt, ist das häufigste und zuverlässigste Warnsignal. Fake-Shops kalkulieren nicht wirtschaftlich, sie wollen lediglich möglichst viele Vorkasse-Zahlungen einsammeln, bevor der Shop wieder vom Netz geht.
Daran erkennen Sie es
- Preisvergleich nutzen: Vergleichen Sie einen auffällig günstigen Preis mit mindestens zwei bekannten Preisvergleichsportalen oder etablierten Shops, bevor Sie bestellen.
- Ganzes Sortiment prüfen: Bietet ein neuer, unbekannter Shop viele bekannte Markenartikel gleichzeitig mit hohem Rabatt an, ist das ein zusätzliches Warnsignal.
- Künstlichen Zeitdruck hinterfragen: Countdown-Timer oder Hinweise wie „nur noch 2 Stück verfügbar" sollen zum schnellen, unüberlegten Kauf verleiten.
Das Impressum als erster Test
Jeder gewerbliche Online-Shop in Deutschland ist gesetzlich zu einem vollständigen Impressum verpflichtet. Ein fehlendes, unvollständiges oder erkennbar kopiertes Impressum ist deshalb ein besonders zuverlässiges Warnsignal.
Daran erkennen Sie es
- Ladungsfähige Anschrift prüfen: Eine echte Straße mit Hausnummer, keine reine Postfach- oder Auslandsadresse ohne erkennbaren Bezug zum Angebot.
- Pflichtangaben vollständig: Bei einer GmbH gehören Handelsregisternummer und Geschäftsführung ins Impressum, bei einem Einzelunternehmen zumindest vollständiger Name und Anschrift.
- Adresse gegenprüfen: Eine kurze Suche nach der angegebenen Adresse zeigt oft schnell, ob es sich um ein reales Geschäftsgebäude handelt oder dieselbe Adresse bei mehreren, ganz unterschiedlichen Shops auftaucht.
Zahlungsarten als Warnsignal
Seriöse Online-Shops bieten in der Regel mehrere Zahlungsarten mit echtem Käuferschutz an. Der klassische Fake-Shop mit ausschließlich Vorkasse per Überweisung ist weiterhin verbreitet, laut Verbraucherzentrale Niedersachsen akzeptieren inzwischen aber viele Fake-Shops zusätzlich oder sogar bevorzugt Kreditkartenzahlungen. Anders als bei einer echten Kartenzahlung fehlt dabei häufig die reguläre Bestätigung direkt bei der eigenen Bank (3D-Secure), stattdessen werden die eingegebenen Kartendaten schlicht abgegriffen. Der eigentliche Schaden entsteht dann oft zeitversetzt: Die Daten werden erst Wochen später anderswo für missbräuchliche Kartenverfügungen genutzt oder weiterverkauft.
Daran erkennen Sie es
- Nur Vorkasse ist ein Warnsignal: Wird ausschließlich Vorkasse angeboten, ohne Kreditkarte, PayPal oder Rechnungskauf, ist besondere Vorsicht angebracht.
- 3D-Secure schützt nicht vor Fake-Shops: Auch wenn Sie die Zahlung zusätzlich per App oder SMS-TAN bei Ihrer eigenen Bank bestätigen, sagt das nichts über die Seriosität des Shops aus. Im Gegenteil: Nach einer erfolgreichen Bestätigung gilt die Zahlung als von Ihnen autorisiert und lässt sich bei einem Betrugsfall über die Bank meist nicht mehr reklamieren.
- Kontoauszüge nach dem Kauf prüfen: Kontrollieren Sie Ihre Kreditkartenabrechnung gerade nach Bestellungen bei unbekannten Shops zeitnah, missbräuchliche Abbuchungen tauchen mitunter erst Wochen später auf.
- Bei Verdacht sofort handeln: Melden Sie eine verdächtige Abbuchung umgehend Ihrer Bank und lassen Sie die Karte sperren. Bei Kreditkartenzahlungen lässt sich eine Abbuchung meist per Rückbuchung (Chargeback) zurückholen.
- Ungewöhnliche Zahlungswege ablehnen: Forderungen nach Zahlung per Gutschein-Code oder Kryptowährung sind bei einem regulären Warenkauf ein eindeutiges Alarmsignal.
Gütesiegel und Bewertungen richtig einordnen
Vertrauenssiegel wie Trusted Shops oder das EHI-Gütesiegel gehören zu den anerkannten Prüfzeichen im deutschen Online-Handel, sie lassen sich aber leicht fälschen oder unrechtmäßig kopieren.
Daran erkennen Sie es
- Siegel direkt anklicken: Ein echtes Gütesiegel verlinkt zu einer Prüfseite des Siegel-Anbieters, ein reines Bild ohne funktionierenden Link ist meist nur kopiert.
- Bewertungen extern prüfen: Suchen Sie den Shop-Namen zusätzlich auf einer unabhängigen Plattform oder direkt in einer Suchmaschine, oft finden sich dort bereits Warnungen anderer Käufer.
- Auffällig einseitige Bewertungen hinterfragen: Ausschließlich sehr kurze, sehr ähnlich klingende Fünf-Sterne-Bewertungen ohne Details sind ein bekanntes Muster gekaufter Bewertungen.
Technische und sprachliche Auffälligkeiten
Auch abseits von Preis und Impressum gibt es Hinweise, die sich beim genauen Hinsehen erkennen lassen.
Daran erkennen Sie es
- Domainalter prüfen: Eine erst wenige Wochen alte Domain in Kombination mit einem angeblich seit Jahren bestehenden Shop passt nicht zusammen.
- Sprachliche Fehler ernst nehmen: Auffällige Rechtschreib- und Grammatikfehler, unpassend übersetzte Produktbeschreibungen oder eine unpersönliche Anrede sind typische Anzeichen für einen im Ausland betriebenen Fake-Shop.
- SSL-Verschlüsselung allein reicht nicht: Ein Schloss-Symbol in der Adresszeile zeigt lediglich eine verschlüsselte Verbindung, keine Seriosität des Anbieters. Auch Fake-Shops nutzen inzwischen fast immer SSL.
Der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale
Bei einem unbekannten Shop hilft im Zweifel ein kostenloser technischer Schnell-Check: Der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale prüft eine eingegebene Shop-Adresse automatisiert gegen eine Datenbank bereits bekannter Fake-Shops.
Daran erkennen Sie es
- URL direkt eingeben: Geben Sie die vollständige Internetadresse des Shops in den Fakeshop-Finder ein, nicht nur den Namen.
- Ergebnis richtig einordnen: Eine grüne Ampel bedeutet lediglich, dass der Shop bislang nicht negativ aufgefallen ist, keine Garantie für Seriosität. Kritische Merkmale sollten dagegen ernst genommen werden.
- Bei Verdacht melden: Ist ein Shop tatsächlich betrügerisch, kann er dort direkt gemeldet werden und hilft damit auch anderen Käufern.
Gemeinsamer Nenner
So unterschiedlich die einzelnen Warnsignale wirken, sie lassen sich auf einen Blick zusammenfassen:
- Ein Preis, der zu gut klingt, um wahr zu sein
- Fehlende oder unvollständige Angaben zum Anbieter
- Eine Zahlung ohne echten Käuferschutz, sei es per Vorkasse oder mit ungeprüft eingegebenen Kreditkartendaten
Wer diese drei Punkte vor jedem Kauf kurz prüft, entzieht den meisten Fake-Shops bereits die Grundlage.
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